Bondage


Der aus dem Englischen stammende Begriff Bondage [ˈbɒndɪdʒ] bedeutet unter anderem Unfreiheit oder Knechtschaft und bezeichnet innerhalb der BDSM-Szene Praktiken zur Fesselung oder Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Das Ziel ist überwiegend die sexuelle Stimulation; es gibt allerdings Sonderformen, bei denen das Bondage aus ästhetischen oder anderen Gründen eingesetzt wird. Der selten verwendete Ausdruck Vincilagnia (aus dem Lateinischen: vincio, „ich fessele“ und dem Altgriechischen: λαγνεία (lagneia), „Wollust“) bezeichnet die sexuelle Erregbarkeit durch Restriktionen oder Fesselungen.

Bondage wird mit allen seinen Varianten im mehrschichtigen Akronym BDSM durch den Buchstaben B repräsentiert. Das Akronym setzt sich zusammen aus Bondage & Disziplin, Dominanz & Submission, Sadismus & Masochismus. Bondage spielt in allen diesen Bereichen eine Rolle, kann aber auch losgelöst von den anderen Praktiken des BDSM als eine eigenständige Praktik ausgeübt werden. Sexualität und Erotik ist ein wichtiger Aspekt innerhalb des Bondage, allerdings sind sie häufig nicht Selbstzweck. Weitere Schwerpunkte können in der Ästhetik, der Empfindung und der Konzentration gesetzt werden.

Wie in allen anderen Bereichen des BDSM wird während der eigentlichen Handlung, hier der Fesselung, die Gleichberechtigung der Partner aufgehoben. Derjenige, der sich fesseln lässt (Bottom), gibt die Kontrolle und Eigenständigkeit für einen definierten Zeitraum an denjenigen ab, der aktiv fesselt (Top). Der für diese Machtübertragung im Jargon der Subkultur oft verwendete Begriff lautet Power Exchange,[1] der Zeitabschnitt wird oft als Session oder Bondage-Session bezeichnet. Dieser Übergang in eine vom Machtgefälle geprägte Phase findet prinzipiell freiwillig und einvernehmlich statt, während die Handlung selbst mit angepassten Sicherheitsmaßnahmen oder einem für die Beteiligten akzeptablen Risiko durchgeführt wird. Im Sprachgebrauch der BDSM-Szene haben sich hierfür die Leitsätze „Safe, Sane, Consensual“ (SSC) beziehungsweise „Risk aware consensual Kink“ (RACK) etabliert. Die Einwilligung und die Einvernehmlichkeit unter den Beteiligten unterscheidet die erotische Fesselung rechtlich und ethisch von der Freiheitsberaubung oder Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

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Bondage ist außerhalb der Subkultur eine der bekanntesten Praktiken aus dem Spektrum der BDSM-Spielarten und wird vielfach mit anderen Praktiken kombiniert. Dabei reichen die angewandten Techniken von der spielerischen Verwendung innerhalb der nicht BDSM-bezogenen Sexualität, dem sogenannten Vanillasex, bis hin zur professionellen Anwendung und Vorführung durch japanische Bondagekünstler. Bondage kann Vorspiel eines erotischen Rollenspiels sein, als einzige Praktik innerhalb einer Session angewandt werden oder als ästhetisches Element außerhalb einer sexuellen Handlung oder Session eingesetzt werden.

Wie bei vielen Studien über menschliches Sexualverhalten und sexuelle Phantasien sind nicht alle verfügbaren Untersuchungen zuverlässig wissenschaftlich fundiert, beispielsweise stammen sie aus Newsgroups oder basieren auf Umfragen in Szenemagazinen, teilweise sind die Untersuchungen veraltet. Durch die Nähe der sadomasochistischen Praktiken zum Bondage[2] wurde eine statistische Trennung in Umfragen und Studien nur selten vorgenommen.

1995 wurde in Schweden eine Analyse der Psychologen Ernulf und Innala veröffentlicht, die das Verhalten der Mitglieder der bondagebezogenen Newsgroup alt.sex.bondage darstellte. Die überwiegende Anzahl der Beiträge (76 %) stammten von Männern, die aktive Rolle bei der erotischen Fesselung wurde von 71 % der heterosexuellen Männer, 11 % der heterosexuellen Frauen und 12 % der homosexuellen Männer bevorzugt. 29 % der heterosexuellen Männer, 89 % der heterosexuellen Frauen und 88 % der homosexuellen Männer gaben an, sich fesseln zu lassen. Ein Drittel der Befragten übten im Zusammenhang mit Bondage sadomasochistische Praktiken aus oder verstanden diese Praktiken als zusammengehörig.[2]

Bei der Befragung von US-amerikanischen Studenten durch eine Zeitschrift gaben im Jahre 1996 24 % der Befragten an, sexuelle Phantasien zu haben, die von Bondage handelten, geführt von homo- und bisexuellen Männern mit 40 %, lesbische und bisexuelle Frauen folgten mit 32 %, während die Zahl bei heterosexuellen Frauen auf 24 % und bei heterosexuellen Männern auf 21 % abfiel. Praktische Erfahrungen mit Bondage hatten 48 % der lesbischen und bisexuellen Frauen, 34 % der homo- und bisexuellen Männer und 25 % aller Heterosexuellen.[3] Noch 1985 kamen Studien in den USA zum Ergebnis, dass etwa die Hälfte aller Männer Bondagespiele für erotisch halten,[4] aber nur 11 % der männlichen und der weiblichen amerikanischen Durchschnittsbevölkerung hatten laut des 1993 erschienenen Janus Report on Sexual Behavior Erfahrungen mit Bondage gemacht.[5]

Die Gründe, warum Menschen sich fesseln lassen, sind vielfältig. In der weitgehenden körperlichen Passivität fühlen sich manche Menschen frei, können sich dabei auf ihr Inneres konzentrieren und kommen zur Ruhe, wie ein Teilnehmer an einer Studie zur Motivation beschreibt: Some people have to be tied up to be free (engl. „Manche müssen gefesselt sein, um frei zu sein“)[6] Andere Menschen empfinden Ohnmacht, kämpfen gegen die Fesseln an und empfinden teilweise darüber hinaus ein masochistisches Vergnügen an den Begrenzungen und Schmerzen (Lustschmerz) sowie der symbolischen Herabsetzung oder des unabwendbaren Zugriffs für erotische Stimulationen durch den Partner.

Die Gründe für den aktiven Menschen, seinen Partner zu fesseln, liegen meist im Vergnügen an der erotischen Unterordnung seines Partners und dem dabei subjektiv empfundenen Machtgefälle und dessen Visualisierung. Für den Sadomasochisten ist Bondage häufig Mittel zum Zweck, beispielsweise um die gefesselte Person für darauf folgende sadomasochistische Praktiken gesichert zu wissen. Auch Optik und Haptik können eine Rolle spielen, Fesselungen aus dem ästhetischen Empfinden heraus sind häufig.





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